Notizen eines Milliardärs
Chapter 1 — Notizen eines Milliardärs
Das Cello weinte. Nicht irgendein Cello, sondern Stradivaris „Feuervogel“, dessen warmer, tiefer Ton jede Faser meines Körpers vibrieren ließ. Ich schloss die Augen, versuchte, die Melodie in mich aufzusaugen, als eine Bewegung am Rande meiner Wahrnehmung mich aus der Konzentration riss.
Ein Mann. Dunkelhaarig, mit einem Profil, das einem Renaissance-Gemälde entsprungen sein könnte. Er saß ein paar Reihen vor mir, die Schultern breit unter dem perfekt sitzenden dunklen Anzug. Aber es war nicht sein Aussehen, das mich fesselte, sondern die Art, wie er die Musik ignorierte, wie seine Augen stattdessen mich suchten, fanden und dann unverschämt lange auf mir ruhten.
Ich bin Lara Hahn, 24 Jahre alt, Musikstudentin im letzten Semester. Normalerweise sitze ich mit Notenblättern bedeckt in irgendeinem Übungsraum der Hochschule für Musik und versuche, aus meiner Geige mehr als nur Katzengejammer herauszubekommen. Aber heute war ich hier, in der Berliner Philharmonie, dank einer Freikarte von meinem Onkel, einem ehemaligen Orchestermusiker.
Der Mann blinzelte nicht einmal. Seine Augen waren so dunkel, fast schwarz, und sie schienen mich zu durchdringen. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme, obwohl es im Saal alles andere als kühl war. Ich versuchte, mich auf das Konzert zu konzentrieren, auf die kraftvollen Klänge von Tschaikowskis Fünfter, aber sein Blick brannte auf meiner Haut wie eine unsichtbare Berührung.
In der Pause drängte ich mich durch die Menge, entschlossen, so weit wie möglich von ihm wegzukommen. Ich holte mir einen Kaffee und versuchte, mich mit meiner Freundin Sophie zu unterhalten, die mich begleitet hatte. Aber meine Gedanken waren immer noch bei dem Fremden. Wer war er? Und warum starrte er mich so an?
Als das Konzert weiterging, spürte ich ihn wieder. Dieser Blick, der mich verfolgte, der mich aus dem Gleichgewicht brachte. Ich wagte es kaum, hinzusehen, aber die Neugier war stärker. Unsere Blicke trafen sich erneut. Diesmal lächelte er. Ein kurzes, kaum merkliches Lächeln, das aber eine Welle von Wärme und etwas Unbestimmbarem in mir auslöste. Dann stand er auf und verließ den Saal.
Ich atmete erleichtert auf. Endlich Ruhe. Doch als das Konzert zu Ende war und das Publikum sich erhob, um zu applaudieren, fand ich eine kleine, gefaltete Notiz auf meinem Sitz. Mit zitternden Fingern öffnete ich sie. Nur ein Name, geschrieben in eleganter Handschrift: Philipp von Lichtenstein. Und darunter eine Telefonnummer.