Operation Nachtfalter
Chapter 1 — Operation Nachtfalter
Der Schuss hallte durch die dunkle Gasse, ein Echo in meinem eigenen pochenden Herzen. Nicht der Schuss selbst war das Problem, sondern die Tatsache, dass er für mich bestimmt war. Oder besser gesagt, für die Person, die ich vorgebe zu sein.
Ich, Olivia Mayer, bin keine einfache Buchhändlerin in der malerischen Heidelberger Altstadt. Zumindest nicht nur. Im Schatten dieser Fassade existiert ein anderes Ich: eine Informantin, die unter dem Decknamen „Nachtfalter“ für eine geheime Einheit des BKA arbeitet. Eine Einheit, die sich mit der Bekämpfung der organisierten Kriminalität befasst. Mein Wissen ist Gold wert, besonders jetzt, da ein neuer, skrupelloser Player auf dem Markt aufgetaucht ist.
Der Regen peitschte gegen mein Gesicht, als ich mich in einen Hauseingang rettete. Mein Atem ging stoßweise. Wer wusste, wer ich wirklich bin? Und warum jetzt? War es ein Warnschuss? Oder ein direkter Versuch, mich zum Schweigen zu bringen?
Mein Kontaktmann, Kommissar Franz Graf, hatte mich vor einer Eskalation gewarnt. „Die Leute, mit denen du dich einlässt, spielen nicht fair, Olivia. Ein Fehler, und du bist tot.“ Seine Worte hallten in meinem Kopf wider. Franz. Allein der Gedanke an ihn löste ein Wirrwarr aus Besorgnis und einer unerklärlichen Sehnsucht in mir aus. Er war mein Fels in der Brandung, der einzige, dem ich wirklich vertraute. Aber auch er durfte die ganze Wahrheit nicht kennen. Die Wahrheit, die tiefer in meiner Vergangenheit vergraben lag, als selbst ich ahnte.
Ich zog mein Handy aus der Manteltasche und wählte seine Nummer. „Franz, ich brauche dich. Es gab einen Anschlag auf mich.“ Meine Stimme zitterte leicht. Stille am anderen Ende der Leitung. Dann, seine tiefe, beruhigende Stimme: „Wo bist du, Olivia? Ich bin unterwegs.“
Als ich ihm meinen Standort mitteilte, spürte ich einen kalten Luftzug im Nacken. Eine Gestalt trat aus dem Schatten. Ein Mann, groß und bedrohlich, mit einem eisernen Blick, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er lächelte, ein kaltes, berechnendes Lächeln. „Olivia Mayer, oder sollte ich sagen… Nachtfalter? Wir haben lange auf diesen Moment gewartet.“
Er hob die Waffe. Ich schloss die Augen und wartete auf den Knall. Doch er kam nicht. Stattdessen hörte ich ein Geräusch, das mich noch mehr erschreckte: das leise Klicken einer entsicherten Waffe direkt hinter mir.