Bis der Tod sie scheidet
Chapter 1 — Bis der Tod sie scheidet
Das Blut klebte an meinen Fingern, ein dunkles Mahnmal meiner Unschuld. Nicht, dass ich jemals wirklich unschuldig gewesen wäre, aber dieses Rot, es war anders. Es gehörte nicht mir, war aber untrennbar mit mir verbunden.
Berlin, die Stadt der Freiheit, der Kunst, der endlosen Möglichkeiten. Für mich war sie ein golden Käfig, ein Spielplatz für die Reichen und Skrupellosen. Ich, Amelie Geiger, sollte eine von ihnen werden. Verlobt mit Alexander Bach, dem Erben eines Imperiums, das auf Lügen und Gewalt aufgebaut war.
Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem er in mein Leben trat. Eine Wohltätigkeitsgala in der Berliner Philharmonie. Ich trug ein geliehenes Kleid, fühlte mich fehl am Platz zwischen all den lackierten Gesichtern und teuren Anzügen. Dann seine Augen. Eisblaue Splitter, die mich durchbohrten, mich auseinanderzunehmen schienen. Er hatte etwas Raubtierhaftes, etwas Dunkles, das mich gleichzeitig abstieß und anzog.
„Fräulein Geiger, nicht wahr?“, hatte er geflüstert, seine Stimme ein raues Versprechen. „Ich habe schon viel von Ihnen gehört.“
Ich hätte weglaufen sollen. Schreien. Irgendetwas tun, um diesem Strudel zu entkommen. Aber ich war wie gelähmt. Seine Berührung brannte auf meiner Haut, ein unauslöschliches Zeichen.
Unsere Verlobung war ein Pakt, ein Geschäft. Mein Vater hatte Schulden, Schulden, die er niemals würde zurückzahlen können. Alexander bot eine Lösung an. Mich. Im Tausch für meine Freiheit würde er seine Schulden begleichen. Ich war ein Pfand, eine Schachfigur in seinem perfiden Spiel.
Jetzt stehe ich hier, in meinem Brautkleid, das mehr wie ein Leichentuch wirkt. Die Musik dröhnt, die Gäste tuscheln. Ich sehe meinen Vater, wie er mich zum Altar führt, sein Gesicht gezeichnet von Schuld und Erleichterung. Alexander erwartet mich, seine Augen dunkler als je zuvor. Aber etwas ist anders. In seinen Augen blitzt etwas auf, etwas, das ich nicht deuten kann. Angst? Zweifel? Oder einfach nur die Vorfreude auf das, was noch kommen wird?
Plötzlich ein Knall. Ein Schrei. Chaos bricht aus. Ich sehe, wie mein Vater zu Boden sinkt, eine rote Blüte auf seiner Brust. Alexander steht unbeweglich da, sein Blick auf mich gerichtet. „Das ist erst der Anfang, Amelie“, flüstert er, bevor die Dunkelheit mich verschluckt. Und ich weiß, dass meine Hölle gerade erst begonnen hat.