Undercover beim Feind

Chapter 1 — Undercover beim Feind

Der erste Blick war ein Fehler. Ein fataler Fehler, der mein Leben für immer verändern sollte. Ich hätte einfach weitergehen sollen, die warme Berliner Sonne genießen und das sanfte Plätschern des Wannsees auf mich wirken lassen sollen. Aber ich tat es nicht. Ich blieb stehen und sah ihn an.

Thalheim von Thalheim. Sein Name allein flößt den meisten Menschen in Berlin Respekt, wenn nicht sogar Angst ein. Er steht am Ufer, die Hände tief in den Taschen seiner perfekt sitzenden Hose vergraben, der Blick auf den See gerichtet. Sein dunkles Haar fällt ihm leicht in die Stirn, und selbst aus dieser Entfernung spüre ich die Aura kalter Entschlossenheit, die ihn umgibt. Er ist der Erbe eines milliardenschweren Familienunternehmens, bekannt für seine Skrupellosigkeit und seinen eisernen Willen. Und er ist der Mann, der meiner Familie alles genommen hat.

Ich schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter. Seit dem Tod meines Vaters sind drei Jahre vergangen, drei Jahre, in denen ich jeden Tag von Rache geträumt habe. Rache an Thalheim von Thalheim, der durch einen skrupellosen Deal, der meinen Vater in den Ruin trieb, indirekt für seinen Herzinfarkt verantwortlich war. Ich habe geschworen, sein Leben zur Hölle zu machen. Nur wie, das wusste ich noch nicht.

Ich erinnere mich an meinen Plan. Ich habe mich in sein Leben eingeschlichen, habe einen Job in seiner Firma angenommen, unter falschem Namen, nur um ihm nahezukommen. Um seine Schwächen zu finden. Um ihn zu zerstören.

Er dreht sich um, als würde er spüren, dass ich ihn beobachte. Seine dunklen Augen treffen meine. Ein stechender Blick, der mich innerlich erzittern lässt. Er mustert mich von Kopf bis Fuß, ohne eine Miene zu verziehen. Ich spüre, wie mein Herz schneller schlägt. Nicht aus Angst, sondern aus einer Mischung aus Hass und einer unerklärlichen, gefährlichen Anziehungskraft.

Er lächelt. Ein kaltes, berechnendes Lächeln, das mir einen Schauer über den Rücken jagt. »Christina Reiter, nicht wahr?« Seine Stimme ist tief und rau, und sie klingt, als würde er mich bereits durchschauen. »Ich habe erwartet, dass Sie früher kommen. Ich bin gespannt, was Sie vorhaben, Fräulein Reiter. Aber ich verspreche Ihnen, Sie werden es bereuen, diesen Weg gewählt zu haben.«