Weihnächtliche Illusion

Chapter 1 — Weihnächtliche Illusion

Der Duft von Zimtsternen und Verzweiflung hing in der Luft, als Carina Lang das Büro ihres Bruders betrat. Weihnachten stand vor der Tür, und anstatt die festliche Stimmung zu genießen, drohte ihr ein Desaster, das ihre Karriere als Eventplanerin in den Ruin treiben könnte.

»Max, wir haben ein Problem«, sagte sie, ihre Stimme zitterte leicht. Ihr Bruder, David, hob den Blick von seinem Laptop. Als Geschäftsführer des Familienunternehmens, einer renommierten Eventagentur in München, war er stets der Ruhepol in der Familie.

»Was ist los, Carina?«, fragte er, seine Augen voller Besorgnis.

»Der Hauptsponsor für die morgige Weihnachts Charity Gala hat abgesagt. Und nicht nur das, sie fordern die bereits gezahlte Summe zurück!« Carina ließ sich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch fallen, unfähig ihre Panik zu verbergen. Die Gala war das wichtigste Event des Jahres, und ohne den Sponsor drohte alles zu scheitern.

David runzelte die Stirn. »Wie konnte das passieren?«

»Angeblich gab es interne Umstrukturierungen. Aber ich vermute, dass es eher daran liegt, dass ich den Sohn des Sponsors, Lorenz von Kronberg, abgewiesen habe«, gab Carina zu. Die Erinnerung an den unangenehmen Abend kam ihr sofort in den Sinn. Lorenz hatte sich ihr auf einer Firmenfeier aufdringlich genähert, und sie hatte ihn deutlich abgewiesen.

David seufzte. »Lorenz von Kronberg… Der ist bekannt dafür, nachtragend zu sein. Das ist eine Katastrophe, Carina. Die Gala ist unsere Visitenkarte. Wenn die ins Wasser fällt, gefährdet das die gesamte Firma.«

Carina wusste das. Sie hatte seit Wochen Tag und Nacht an der Gala gearbeitet. Jeder Aspekt, von der Dekoration bis zum Catering, war perfekt geplant. Und jetzt das. »Ich weiß. Ich habe schon versucht, andere Sponsoren zu kontaktieren, aber so kurzfristig ist nichts zu machen.«

»Es gibt nur eine Möglichkeit, das zu retten«, sagte David nachdenklich. »Du musst Lorenz von Kronberg davon überzeugen, seine Entscheidung zu revidieren.«

Carina schüttelte den Kopf. »Das kommt nicht in Frage. Ich werde mich ihm nicht anbiedern.«

»Du musst es nicht. Aber vielleicht… vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit. Was wäre, wenn du ihm zeigst, dass du bereits vergeben bist? Jemand, der ihm das Gefühl gibt, keine Chance zu haben.«

Carina starrte ihn an. »Wie soll das gehen? Ich bin Single.«

»Nicht, wenn wir das ändern. Ich kenne da jemanden… Hendrik Nagel. Er arbeitet als Barkeeper in der Bar gegenüber. Sehr charmanter Typ, und er schuldet mir einen Gefallen. Wir könnten ihn bitten, deinen Freund zu spielen.«

Carina war skeptisch. »Das ist doch verrückt. Eine Fake-Beziehung?«

»Verrückt, aber vielleicht unsere einzige Chance. Denk darüber nach, Carina. Es geht um die Firma, um die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter. Und um dein Erbe.«

Carina biss sich auf die Lippe. Sie hasste es, in einer solchen Situation zu sein. Sie hatte immer versucht, alles alleine zu schaffen, aber diesmal brauchte sie Hilfe. Und David hatte Recht. Es ging um mehr als nur ihre Karriere. Es ging um die Firma, die ihre Familie über Generationen aufgebaut hatte.

»Okay«, sagte sie schließlich. »Ich bin einverstanden. Aber nur, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gibt.«

David lächelte erleichtert. »Wunderbar. Ich rufe Hendrik sofort an. Du triffst ihn heute Abend in der Bar. Er ist informiert.«

Carina nickte und stand auf. »Ich hoffe, das ist keine dumme Idee.«

»Vertrau mir. Hendrik ist ein Profi. Und denk daran, es ist nur für eine kurze Zeit. Nur bis die Gala vorbei ist.«

Carina verließ das Büro mit einem unguten Gefühl. Eine Fake-Beziehung? Das konnte doch nicht gut gehen. Aber sie war bereit, alles zu tun, um die Firma zu retten. Auch wenn das bedeutete, sich auf ein riskantes Spiel einzulassen.

Am Abend betrat Carina die Bar gegenüber der Eventagentur. Die gedämpfte Beleuchtung und der Duft von Bier und Zigaretten hüllten sie ein. Sie entdeckte Hendrik an der Bar, wie er mit einem Gast lachte. Er war größer, als sie erwartet hatte, mit dunklen, verwuschelten Haaren und einem entwaffnenden Lächeln. Er sah nicht aus wie jemand, der Gefallen schuldete.

Als Hendrik sie bemerkte, löste er sich von dem Gast und kam auf sie zu. »Carina, richtig? David hat mir von dir erzählt.«

»Ja, Hendrik«, sagte Carina, ihre Stimme leicht unsicher. »Vielen Dank, dass du so kurzfristig eingesprungen bist.«

»Kein Problem. David hat mir die Situation erklärt. Also, wie soll ich deinen Freund spielen?«, fragte Hendrik, seine Augen blitzten amüsiert.

Carina holte tief Luft. »Ich denke, wir sollten uns erst einmal kennenlernen. Damit es glaubwürdig wirkt.«

Hendrik grinste. »Gute Idee. Was hältst du davon, wenn wir mit dem Küssen anfangen?«

Bevor Carina antworten konnte, beugte Hendrik sich vor und küsste sie. Nicht sanft oder zögerlich, sondern leidenschaftlich und fordernd. Carina war wie erstarrt. Sie hatte nicht erwartet, dass er so direkt sein würde. Als er sich löste, war sie sprachlos.

»So, und jetzt, wo wir das geklärt haben…«, sagte Hendrik mit einem schelmischen Grinsen. »…was genau hast du dir unter einer glaubwürdigen Beziehung vorgestellt?«