Der Preis des Weinguts
Chapter 1 — Der Preis des Weinguts
Der Champagner prickelte kaum spürbar auf meiner Zunge, ein schwacher Trost angesichts der stechenden Panik, die in meiner Brust tobte. Ich hatte mich in diese Gala geschlichen, als wäre ich ein Dieb in der Nacht, nur um ihn zu sehen. Tim von Waldstein. Der Milliardär mit den eisblauen Augen, der Mann, der das Schicksal meiner Familie in seinen Händen hielt.
Das Palais, in dem die Benefizveranstaltung stattfand, erstrahlte in einem dekadenten Glanz, der mir fremd war. Kronleuchter warfen tanzende Schatten auf die marmorierten Wände, während gedämpfte Klänge eines Streichorchesters die Luft erfüllten. Ich, Isabel Lorenz, Tochter eines bankrotten Winzers aus dem Rheingau, fühlte mich hier fehl am Platz wie ein Kieselstein in einem Meer aus Diamanten.
Ich suchte ihn. Unauffällig, versteht sich. Ich durfte nicht auffallen. Mein Plan war simpel: ihn kurz sprechen, ihm die Dringlichkeit unserer Lage schildern und ihn bitten, das Weingut meiner Familie nicht zu übernehmen. Ein naiver Plan, ich weiß. Aber was hatte ich schon zu verlieren?
Endlich entdeckte ich ihn. Er stand am anderen Ende des Kristallsaals, umgeben von einer Traube bewundernder Menschen. Sein dunkler Anzug schien die Nacht selbst zu absorbieren, während seine Augen, so kalt wie arktisches Eis, über die Menge glitten. Ein Gespräch mit ihm zu führen, würde schwerer als gedacht.
Ich atmete tief durch und zwang mich, auf ihn zuzugehen. Jeder Schritt fühlte sich an wie ein Gang zum Schafott. Je näher ich kam, desto intensiver wurde der Blick des Mannes. Als unsere Augen sich endlich trafen, spürte ich, wie ein Schauer meinen Rücken hinunterlief. Es war kein wohliger Schauer, sondern einer, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er kannte mich. Er kannte meinen Namen. Noch bevor ich ein Wort sagen konnte, hörte ich seine tiefe Stimme, die durch den Raum hallte: »Fräulein Lorenz. Ich habe Sie erwartet.«