Das Gesetz der Verdammnis

Chapter 1 — Das Gesetz der Verdammnis

Das Rascheln von Seide war das Letzte, was ich hörte, bevor die Welt um mich herum explodierte. Nicht im wörtlichen Sinne, natürlich. Aber so fühlte es sich an, als man mir mitteilte, dass ich Torben von Sternberg heiraten sollte.

Mein Name ist Vivien Scholz, und bis vor fünf Minuten war mein größtes Problem, ob ich meine Magisterarbeit über die Darstellung von Frauen in der Weimarer Republik rechtzeitig fertigstellen würde. Jetzt sollte ich also den Erben eines der berüchtigtsten Unterwelt-Clans in Deutschland heiraten? Lächerlich.

München war schon immer meine Heimat. Die bayerische Gemütlichkeit, die Biergärten, die sonnendurchfluteten Nachmittage an der Isar – das war mein Leben. Doch hinter der pittoresken Fassade verbarg sich eine dunkle Realität: die Sternbergs. Sie kontrollierten einen Großteil des Glücksspiels, des Drogenhandels und der Prostitution in der Stadt. Und ich sollte Teil dieser Welt werden.

»Es ist eine Ehre für unsere Familie, Vivien«, sagte mein Vater, während er mir einen stechenden Blick zuwarf. »Torben ist ein guter Mann.«

Ein »guter Mann«? Ich hatte Torben von Sternberg einmal auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung gesehen. Er hatte eine Aura der Gefahr um sich, eine Kälte, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Seine Augen waren so dunkel wie die Nacht, und sein Blick schien direkt in meine Seele zu dringen.

»Ich werde ihn nicht heiraten«, entgegnete ich, meine Stimme zitterte leicht. Die Vorstellung, mein Leben mit diesem Mann zu verbringen, erfüllte mich mit blankem Entsetzen.

Mein Vater lachte bitter. »Du hast keine Wahl, Vivien. Es ist eine Vereinbarung. Eine Schuld, die beglichen werden muss.«

Schuld? Welche Schuld? Ich hatte keine Ahnung, wovon er sprach. Aber in seinen Augen sah ich eine Verzweiflung, die mich mehr beunruhigte als die Drohung selbst.

Später, in meinem Zimmer, starrte ich aus dem Fenster. Die Lichter der Stadt funkelten wie ferne Sterne. War das also mein Schicksal? Verurteilt dazu, in der Dunkelheit zu leben, an der Seite eines Mannes, den ich fürchtete und verachtete? Ich spürte eine plötzliche Wut in mir aufsteigen. Ich würde nicht einfach aufgeben. Ich würde kämpfen. Ich würde einen Weg finden, aus diesem Albtraum zu entkommen.

Am nächsten Morgen fand ich einen Umschlag auf meinem Kopfkissen. Kein Absender. Nur mein Name, in eleganter, geschwungener Schrift. Mit zitternden Fingern öffnete ich ihn. Darin befand sich eine einzige, blutrote Lilie und ein kurzer Zettel: »Wir sehen uns bald, meine zukünftige Frau.«