Gefährliche Rückkehr
Chapter 1 — Gefährliche Rückkehr
Der Geruch von verbranntem Zucker hing in der Luft, eine bittere Süße, die Sarah sofort zurück in jene verhängnisvolle Nacht katapultierte. Fünf Jahre waren vergangen, aber die Erinnerung brannte noch immer wie ein glühendes Eisen auf ihrer Haut. Fünf Jahre, seit Nils von Schönfeld ihr Herz in tausend Stücke zerrissen hatte – und jetzt stand er wieder vor ihr, in ihrer kleinen Berliner Konditorei, als wäre nichts geschehen.
„Sarah“, sagte er, seine Stimme tiefer und rauer als in ihrer Erinnerung. Seine blauen Augen, einst voller Wärme und Versprechen, waren nun von einer düsteren Melancholie umgeben. Er war immer noch atemberaubend schön, mit dem dunklen Haar und den hohen Wangenknochen, die ihn wie einen gefallenen Engel erscheinen ließen. Doch unter der teuren Maßkleidung und dem unverkennbaren Duft verbarg sich ein Mann, der ihr Leben für immer verändert hatte.
„Was willst du, Nils?“, fragte sie, ihre Stimme erstaunlich ruhig, obwohl ihr Inneres tobte. Sie umklammerte das feuchte Küchentuch in ihrer Hand, ihre Knöchel traten weiß hervor. Die kleine Glocke über der Tür hatte sein Kommen angekündigt, ein schriller Ton, der die Stille in ihrem Laden zerrissen hatte.
Er trat näher, ignorierte die anderen Gäste, die verstohlen zu ihnen herüberblickten. „Ich muss mit dir reden.“
„Wir haben nichts zu besprechen.“ Sie wandte sich ab, versuchte, sich auf die halbfertige Schwarzwälder Kirschtorte zu konzentrieren, die auf der Arbeitsfläche stand. Die Kirschen schienen sie spöttisch anzublicken, Erinnerungen an unbeschwerte Sommernachmittage, die sie zusammen verbracht hatten.
„Sarah, bitte“, seine Stimme war nun flehend. „Es ist wichtig.“
Sie lachte bitter auf. „Wichtig? War es auch wichtig, als du mich damals verlassen hast? Ohne ein Wort? Ohne eine Erklärung?“ Die Worte kamen wie eine Flut aus ihr heraus, all der Schmerz und die Wut, die sie so lange unterdrückt hatte.
Nils wich zurück, als hätte sie ihn geschlagen. „Ich hatte keine Wahl“, sagte er leise. „Du verstehst das nicht.“
„Keine Wahl?“, wiederholte sie spöttisch. „Das ist alles, was du zu sagen hast? Fünf Jahre, und das ist deine Erklärung?“ Sie warf das Küchentuch auf die Arbeitsfläche. „Geh einfach, Nils. Ich will dich hier nicht sehen.“
Er schüttelte den Kopf. „Ich gehe nicht, Sarah. Nicht, bevor du mir zuhörst.“ Er griff nach ihrer Hand, und ein Schauer durchfuhr ihren Körper. Seine Berührung war immer noch so vertraut, so elektrisierend, dass sie fast ihren Widerstand vergaß.
Sie riss ihre Hand weg. „Fass mich nicht an!“, zischte sie. „Du hast jedes Recht verwirkt, mich zu berühren.“
„Ich weiß“, sagte er, seine Augen voller Schmerz. „Aber ich muss dir die Wahrheit sagen. Es geht um meinen Vater.“
Sarahs Herz setzte für einen Moment aus. Sein Vater, der Patriarch der mächtigen von Schönfeld Dynastie, war ein Mann von unbestreitbarer Macht und skrupelloser Härte. Sie hatte ihn nur wenige Male getroffen, aber seine kalten, berechnenden Augen hatten ihr immer Angst gemacht.
„Was hat dein Vater damit zu tun?“, fragte sie misstrauisch.
„Er hat mich gezwungen, dich zu verlassen“, sagte Nils. „Er drohte, deiner Familie etwas anzutun, wenn ich es nicht tat.“
Sarah starrte ihn ungläubig an. „Das ist doch Wahnsinn!“, sagte sie. „Dein Vater? So etwas würde er nie tun.“
„Du kennst ihn nicht, Sarah“, sagte Nils ernst. „Er ist zu allem fähig. Er hat mich benutzt, um dich zu kontrollieren.“
Sie schüttelte den Kopf. „Ich glaube dir nicht“, sagte sie. „Das ist nur eine Ausrede, um dein Verhalten zu rechtfertigen.“
„Es ist die Wahrheit“, beharrte er. „Ich kann es dir beweisen.“
Plötzlich wurde die Tür der Konditorei aufgerissen, und ein Mann in einem teuren Anzug betrat den Laden. Er hatte eine stechende Aura der Gefahr und Macht um sich herum. Sein Blick fixierte sich sofort auf Nils.
„Nils“, sagte der Mann mit einer Stimme, die vor eisiger Kälte triefte. „Ich habe dich gesucht. Vater erwartet dich. Sofort.“
Nils seufzte. „Ich komme gleich, Stefan.“
Der Mann, den Nils Stefan genannt hatte, wandte sich Sarah zu. Seine Augen musterten sie von Kopf bis Fuß, als wäre sie ein minderwertiges Stück Ware. „Du musst Sarah sein“, sagte er mit einem abschätzigen Lächeln. „Ich habe schon viel von dir gehört.“
Sarah spürte, wie ihr Blut in den Adern gefror. Sie wusste, dass dies kein Zufall war. Nils hatte ihr nicht die ganze Wahrheit gesagt. Und die Wahrheit, so viel war ihr klar, war weitaus gefährlicher, als sie sich jemals hätte vorstellen können.
„Wir sehen uns wieder, Sarah“, sagte Nils. Seine Augen waren voller Warnung. „Pass auf dich auf.“
Mit diesen Worten verließ er die Konditorei, begleitet von Stefan. Sarah blieb zurück, inmitten des süßen Duftes ihrer Backwaren, der nunmehr nur noch eine Erinnerung an eine unschuldige Vergangenheit war. Die Realität hatte sie mit voller Wucht eingeholt, und sie ahnte, dass ihr Leben nie wieder so sein würde wie zuvor.
Am Abend, als Sarah die Konditorei schließen wollte, bemerkte sie einen kleinen, unscheinbaren Umschlag, der unter der Tür durchgeschoben worden war. Sie hob ihn auf, ihr Herz raste. Auf der Vorderseite stand nur ein Wort: „Verzeihung“.
Sie öffnete den Umschlag zögerlich. Darin befand sich ein Foto. Ein Foto von ihrer Schwester, gefesselt und geknebelt, mit einem grinsenden Mann im Hintergrund, der eine Waffe in die Kamera hielt. Auf der Rückseite des Fotos stand in roter Farbe geschrieben: *„Sprich nicht mit Nils. Sonst stirbt sie.“* Sarah ließ das Foto fallen. Ihre schlimmsten Befürchtungen hatten sich bewahrheitet. Sie war wieder in Besitzerins gefährliches Spiel hineingezogen worden, und diesmal ging es um das Leben ihrer Schwester.