Der Verlobte meiner Schwester

Chapter 1 — Der Verlobte meiner Schwester

Der Champagner schmeckte nach Verrat, prickelnd und bitter auf meiner Zunge. Ich hasste Philharmoniker-Bälle. Noch mehr hasste ich Stefan von Langenberg, der mir gerade mit einem diabolischen Lächeln zuprostete, während er sich mit meiner Schwester unterhielt. Meine Schwester, die er heiraten sollte.

Ich umklammerte mein Glas fester, versuchte, die Wut zu unterdrücken, die in mir aufstieg. Stefan und ich waren wie Feuer und Eis, Tag und Nacht – absolute Gegensätze, die sich auf den Tod nicht ausstehen konnten. Und doch, hier standen wir, inmitten des dekadenten Glanzes der Wiener Staatsoper, gefangen in einem perfiden Spiel, das unsere Familien inszeniert hatten.

»Emilia, Liebling, nicht so finster dreinblicken«, zischte meine Mutter mir ins Ohr und zwang mich, mich ihr zuzuwenden. Ihr Lächeln war aufgesetzt, die Augen jedoch wachsam. »Du weißt, wie wichtig diese Verbindung für uns ist. Für die Firma. Und für deine Schwester.«

»Natürlich, Mutter«, erwiderte ich, die Ironie kaum unterdrückend. »Denn was sind schon meine Gefühle im Vergleich zu einer Fusion, die uns noch reicher macht?« Ihr Blick verfinsterte sich, aber bevor sie antworten konnte, ertönte eine Stimme hinter mir, so tief und arrogant, wie ich sie hasste.

»Entschuldigen Sie die Störung, gnädige Frau von Schreiber. Emilia.« Stefan nickte meiner Mutter zu, bevor er seine eisblauen Augen auf mich richtete. »Ich wollte nur fragen, ob Sie mir vielleicht einen Tanz gewähren würden.«

Ich erstarrte. Ein Tanz? Mit ihm? Das war ein schlechter Scherz. Oder eine Kriegserklärung. »Ich glaube nicht«, sagte ich, bemüht, meine Stimme ruhig zu halten. »Ich habe keine Lust.«

»Ach, komm schon, Emilia«, sagte er, seine Stimme sanft, fast flehend. Ein Blick, der mich für einen Moment schwach werden ließ. »Nur einen Tanz. Für den Frieden. Für unsere Familien.« Ich hasste es, wie er das sagte. »Unsere Familien«. Als ob ich mich um ihre absurden Pläne scheren würde.

Meine Mutter sah mich erwartungsvoll an, ihr Blick eine unmissverständliche Drohung. Ich seufzte innerlich. Ich hatte keine Wahl. »Na gut«, sagte ich, und spürte, wie die Wut in mir brodelte. »Aber nur einen.« Er grinste, ein Triumph in seinen Augen, der mich noch wütender machte, als er mich auf die Tanzfläche führte. Seine Hand legte sich auf meine Taille, seine Berührung brannte auf meiner Haut. Und als die Musik einsetzte, flüsterte er mir ins Ohr: »Du weißt, Emilia, dass das hier erst der Anfang ist.«