Eiskalt serviert
Chapter 1 — Eiskalt serviert
Der Geruch von Rosen hing schwer in der Luft, vermischt mit dem stechenden Duft von Desinfektionsmittel. Nicht die Art von Duft, die man mit Liebe und Romantik verband, sondern mit Krankheit und Tod. Hier, im Krankenzimmer meines Vaters, war er allgegenwärtig.
Ich, Diana Wendt, stand am Fenster und blickte auf den grauen Himmel über Hamburg. Mein Blick wanderte über die Elbe, vorbei an den Containerschiffen, die wie gigantische Legosteine aussahen. Alles so normal, so unberührt von dem Chaos, das mein Leben zerstört hatte.
„Diana?“ Die Stimme meiner Mutter war brüchig. Sie saß an der Bettkante und hielt Vaters Hand. Seine Augen waren geschlossen, sein Atem ging stoßweise. „Er möchte dich sehen.“
Ich nickte, unfähig zu sprechen, und trat näher. Die Monitore piepten monoton, ein unheilvolles Orchester des bevorstehenden Abschieds. Vater öffnete die Augen, und ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht. „Meine Diana…“, hauchte er. „Du musst stark sein.“
„Ich bin stark, Papa“, flüsterte ich, obwohl mir die Tränen über das Gesicht liefen. „Ich verspreche es.“
„Versprich mir noch etwas…“, seine Stimme wurde schwächer. „Hol dir zurück, was sie dir genommen haben. Alles.“
Ich wusste genau, von wem er sprach. Die von Hohenbergss. Diese skrupellose Familie, die meinen Vater in den Ruin getrieben und ihn so krank gemacht hatte. Ruben von Nordeck, der eiskalte Erbe des Familienimperiums, sollte für seine Taten büßen.
„Ich schwöre es, Papa“, sagte ich mit fester Stimme. „Ich werde mich rächen. Ich werde alles zurückholen, was uns gehört.“
Sein Griff um meine Hand wurde schwächer. Er schloss die Augen, und der Monitor piepte unaufhaltsam. Ein langer, qualvoller Ton, der das Ende markierte. Mein Vater war tot.
Jahre später stehe ich vor den Toren des von Nordeck Anwesens. Das prächtige Herrenhaus thront auf einem Hügel, umgeben von gepflegten Gärten und hohen Mauern. Es ist ein Symbol für Macht und Reichtum. Und ich, Diana Wendt, bin hier, um es ihnen zu entreißen. Ich habe mir einen neuen Namen gegeben, eine neue Identität geschaffen. Ich bin jetzt Alina Weber, die neue Praktikantin in der von Nordeck Holding. Und Ruben von Nordeck wird keine Ahnung haben, wer ich wirklich bin.