Kaffee und Verrat

Chapter 1 — Kaffee und Verrat

Der Geruch von verbranntem Karamell hing schwer in der Luft, vermischt mit einer undefinierbaren Note von Verzweiflung. Es war mein Werk, natürlich. Der fünfte missglückte Crème brûlée an diesem Morgen, und das, obwohl die Eröffnung meines kleinen Cafés 'Zuckersünde' nur noch eine Woche entfernt war. Eine Katastrophe bahnte sich an.

Ich, Romy Ullrich, 28 Jahre, Konditormeisterin mit Leib und Seele, stand kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Mein Traum, ein eigenes Café in der malerischen Altstadt von Heidelberg, drohte, in einer Wolke aus verbranntem Zucker zu versinken. Und als ob das nicht genug wäre, hatte sich auch noch Moritz von Donnersberg angekündigt.

Moritz von Donnersberg. Der Name allein löste bei mir eine Mischung aus Übelkeit und unkontrolliertem Herzrasen aus. Er war der Erbe des alteingesessenen Kaffeehausimperiums 'Hohenberg', das seit Generationen die Heidelberger Kaffeehausszene dominierte. Und er war fest entschlossen, mein kleines Café zu verhindern.

Unsere erste Begegnung war alles andere als romantisch. Vor drei Monaten, als ich den Mietvertrag für das Ladenlokal unterschrieben hatte, stand er plötzlich vor mir, ein kalter Hauch von Arroganz umwehte ihn wie ein teures Eau de Toilette. »Ullrich«, hatte er gesagt, seine eisblauen Augen musterten mich von oben bis unten, »Sie machen einen Fehler. Heidelberg ist nicht groß genug für zwei Kaffeehäuser dieser Art.«

Ich hatte mich nicht einschüchtern lassen. »Vielleicht sollte Ihr Imperium dann einfach besser schmecken«, hatte ich geantwortet, und in seinen Augen kurz ein Aufblitzen von Überraschung gesehen. Seitdem herrschte Krieg. Ein kalter, subtiler Krieg, in dem Moritz alle Register zog, um mir das Leben schwer zu machen. Lieferanten, Genehmigungen, Personal – alles wurde plötzlich kompliziert.

Heute sollte er kommen, um sich »den Fortschritt« anzusehen, wie er es in seiner letzten, höflich-drohenden E-Mail formuliert hatte. Ich befürchtete das Schlimmste. Als ich das Klingeln der Ladentür hörte und seinen schlanken Schatten im Türrahmen erkannte, spürte ich, wie mein Herz schneller schlug. Er lächelte, ein Lächeln, das so kalt war wie der Winter in Sibirien. »Frau Ullrich«, sagte er, seine Stimme ein sanftes Raunen. »Ich sehe, Sie haben noch viel zu tun. Aber ich fürchte, das hier wird niemals ein Café werden. Nicht ohne meine Zustimmung.« Er zog einen Umschlag aus seiner Jackettasche und legte ihn auf die Theke. »Vielleicht sollten Sie mein Angebot noch einmal überdenken. Es ist sehr großzügig.« Ich öffnete den Umschlag und sah den Scheck. Die Summe war astronomisch. Aber es war nicht das Geld, das mich schockierte. Es war der Brief, der darunter lag. Ein Foto. Ein Foto von meinem Vater, wie er an einem Spieltisch in einem zwielichtigen Hinterzimmer saß. Mein Vater, der vor Jahren spurlos verschwunden war. Und unter dem Foto stand eine einzige, handschriftliche Zeile: »Manchmal findet man, was man sucht, wenn man nur tief genug gräbt.«