Sein verbotener Ring
Chapter 1 — Sein verbotener Ring
Der erste Kuss sollte nicht auf einem dunklen Parkplatz stattfinden, während im Radio ein billiger Popsong lief und ihre Hände zitterten. Aber so war es nun mal. Annika schmeckte den Salzgeschmack ihrer Tränen, als Leopold sie losließ und sich zurückzog.
Hamburg, HafenCity. Die glitzernde Elbphilharmonie spiegelte sich in den dunklen Fluten der Elbe. Annika, 22, Studentin der Musikwissenschaften, fühlte sich verloren zwischen den teuren Autos und den piekfeinen Anzügen der Konzertbesucher. Sie war hier, um ihren Vater abzuholen, den Hausmeister der Elphi. Und sie war hier wegen Leopold.
Leopold, 28, der charismatische, aber verheiratete Konzertmeister des Elbphilharmonieorchesters. Ein Mann, dessen Geigenspiel Annika in den Bann zog, dessen Blicke sie unter Strom setzten. Sie kannte ihn seit Monaten, seitdem sie als Aushilfe im Orchesterbüro arbeitete, um ihr Studium zu finanzieren. Die heimlichen Treffen, die zufälligen Berührungen, die unausgesprochenen Worte – alles hatte zu diesem Moment geführt. Einem Moment, der so falsch und doch so unglaublich richtig war.
„Das darf nicht passieren, Annika“, flüsterte Leopold, seine Stimme rau. Seine Augen, so blau wie die Nordsee, waren voller Schuld und Verlangen. „Ich bin verheiratet. Das weißt du.“
„Ich weiß“, antwortete Annika, ihre Stimme kaum hörbar. Sie wusste es. Sie wusste, dass er Frau und Kind hatte. Sie wusste, dass das hier Wahnsinn war. Aber ihr Herz schlug schneller, wenn er in ihrer Nähe war, und ihre Gedanken kreisten nur um ihn. Sie war süchtig nach diesem verbotenen Gefühl.
Er legte ihr eine Hand an die Wange. Seine Berührung brannte auf ihrer Haut. „Bitte geh. Bevor wir etwas tun, das wir bereuen.“
Annika nickte, drehte sich um und rannte. Sie rannte, bis sie die Elbphilharmonie hinter sich ließ, bis sie die Lichter der Stadt nur noch verschwommen wahrnahm. Sie rannte vor ihren Gefühlen davon, vor der Wahrheit, dass sie sich unsterblich in einen verheirateten Mann verliebt hatte. Doch dann klingelte ihr Handy. Eine unbekannte Nummer. Zögernd nahm sie ab. „Annika Friedrich? Hier ist die Polizei Hamburg. Wir haben Ihren Vater gefunden… er hatte einen Unfall in der Elbphilharmonie.“