Blutige Revanche
Chapter 1 — Blutige Revanche
Der Geruch von Rosen hing schwer in der Luft, vermischt mit dem metallischen Geschmack von Angst. Nicht meiner, natürlich. Angst war ein Luxus, den ich mir seit jenem verhängnisvollen Abend nicht mehr leisten konnte. Vor mir zitterte Jakob Jung, blass und verschwitzt, in seinem teuren Anzug, der jetzt so fehl am Platz wirkte in dieser heruntergekommenen Lagerhalle am Hamburger Hafen.
»Bitte, Emilia«, flehte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. »Tu das nicht. Es ist schon so lange her…«
Lange her? Fünf Jahre, drei Monate und zwölf Tage. Eine Ewigkeit für mich. Ein Klacks für ihn, der einfach weitergelebt hatte, als wäre nichts geschehen. Er hatte geheiratet, ein Kind bekommen, seine Karriere vorangetrieben. Während ich? Ich hatte im Schatten gelebt, geübt, geplant. Aus dem gebrochenen Mädchen von damals war eine Waffe geworden, geschmiedet im Feuer des Verrats.
Ich lächelte, ein kaltes, unversöhnliches Lächeln. »Jakob, Liebling, du hast mich unterschätzt. Du dachtest, ich würde einfach verschwinden. Aber Frauen wie ich verschwinden nicht. Wir warten. Wir beobachten. Und dann… schlagen wir zu.« Ich nickte Fabian zu, meinem loyalen Schatten, der sofort einen Schritt vortrat. In seinen Händen glänzte ein Skalpell im trüben Licht.
»Was wirst du tun?«, keuchte Jakob, seine Augen weiteten sich vor Entsetzen.
»Was ich tun werde?« Ich beugte mich vor, so nah, dass er meinen Atem auf seiner Haut spüren konnte. »Ich werde dir alles nehmen. Alles, was du mir genommen hast. Deine Frau, dein Kind, deine Karriere, dein Leben. Aber zuerst… werde ich dich leiden lassen.«
Die Lagerhalle roch nach Moder und Verzweiflung. Sie war perfekt. Hier würde Jakob Jung seine gerechte Strafe erhalten. Hier würde meine Rache beginnen. Ich hatte Jahre damit verbracht, dieses Szenario zu planen, jede Einzelheit zu durchdenken. Ich hatte mir seine Schwächen gemerkt, seine Ängste studiert, seine Lieben infiltriert. Jakob hatte gedacht, er könne mich zerstören und davonkommen. Er hatte sich geirrt.
»Du bist krank«, presste er hervor, seine Stimme heiser.
»Vielleicht«, erwiderte ich achselzuckend. »Aber du hast mich dazu gemacht. Erinnerst du dich noch an das Versprechen, das du mir gegeben hast?« Ich holte ein vergilbtes Foto aus meiner Jackentasche. Es zeigte uns beide, jung und verliebt, am Ufer der Alster. »Ewige Liebe, Jakob. Erinnerst du dich?« Ich zerriss das Foto in kleine Stücke und warf sie ihm ins Gesicht. »Das ist alles, was davon übrig ist.«
Fabian legte ihm das Skalpell an die Wange. Ein dünner roter Strich erschien auf seiner blassen Haut. Jakob schrie auf, ein markerschütternder Schrei, der in der Halle widerhallte.
Ich hob die Hand. »Genug. Noch nicht.« Ich wandte mich ab und ging zum Ausgang. »Bring ihn in den Keller. Und dann… ruf seine Frau an. Ich habe ihr etwas zu erzählen.« Als ich die Halle verließ, hörte ich Jakob’ verzweifelte Schreie. Sie waren Musik in meinen Ohren. Aber tief in meinem Inneren spürte ich auch einen Stich. War das wirklich der richtige Weg? Konnte Rache jemals wirklich heilen? Ich wusste es nicht. Aber eines wusste ich: Ich würde nicht aufhören, bis Jakob Jung für seine Sünden bezahlt hatte. Jeder einzelne. Und vielleicht, nur vielleicht, würde ich danach endlich Frieden finden.
Als ich in mein Auto stieg, klingelte mein Handy. Eine unbekannte Nummer. Ich zögerte, nahm aber dann doch ab. »Emilia Voss?«, fragte eine tiefe, raue Stimme.
»Wer ist da?«, entgegnete ich misstrauisch.
»Mein Name ist Julian von Rabenstein. Und ich glaube, wir haben ein gemeinsames Problem.«