Ein Klopfen nach fünf Jahren

Chapter 1 — Ein Klopfen nach fünf Jahren

Der Geruch von verbranntem Kaffee hing schwer in der Luft, ein penetranter Schleier über dem Chaos, das einmal ihre Küche gewesen war. Fünf Jahre. Fünf Jahre waren vergangen, seitdem sie diesen Ort verlassen hatte, seitdem sie Jonas verlassen hatte. Und jetzt stand sie hier, zurück in Heidelberg, die Schlüssel zu ihrer alten Wohnung in der Hand, als wären diese Jahre ein böser Traum gewesen.

Pia zwang sich, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Wohnung war kleiner, als sie in Erinnerung hatte, oder vielleicht war sie einfach nur größer geworden. Die Möbel waren mit weißen Tüchern abgedeckt, stumme Zeugen einer vergangenen Zeit. Staub tanzte in den Sonnenstrahlen, die durch die schmutzigen Fenster fielen. Sie strich mit dem Finger über einen abgedeckten Sessel. Hier hatten sie gesessen, stundenlang geredet, gelacht, gestritten. Hier hatte sie sich in Jonas verliebt.

Ein Fotoalbum lag auf dem Couchtisch, halb unter einem Tuch versteckt. Pia zögerte, dann zog sie es hervor. Ihre Finger zitterten, als sie den vergilbten Einband öffnete. Bilder von ihnen, jung, unbeschwert, voller Zukunftspläne. Jonas mit seinem schelmischen Grinsen, sie mit ihren langen, braunen Haaren. Erinnerungen, die schmerzten wie offene Wunden.

Sie blätterte weiter, bis sie zu den Hochzeitsfotos kam. Sie im weißen Kleid, er im dunklen Anzug. Glücklich, so unendlich glücklich. Doch dann kamen die Bilder, die sie am liebsten verbrennen würde. Bilder von ihr, weinend, am Flughafen. Bilder von Jonas, der sie ansah, mit einem Ausdruck in den Augen, den sie nie vergessen konnte: Schmerz, Wut, Enttäuschung. Bilder, die das Ende ihrer Geschichte besiegelten.

Plötzlich hörte sie ein Geräusch. Ein Schlüssel, der ins Schloss gesteckt wurde. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Das konnte nicht sein. Jonas hatte die Schlüssel, oder? Die Tür öffnete sich langsam, und da stand er. Jonas. Er war älter geworden, die Züge härter, aber seine Augen hatten nichts von ihrem Glanz verloren. Er sah sie an, sprachlos, und in diesem Moment wusste Pia, dass diese Begegnung alles verändern würde. „Pia? Was machst du hier?", fragte er schließlich, seine Stimme rau wie Sandpapier. Und in seinen Augen lag nicht die Freude eines Wiedersehens, sondern eine dunkle, unmissverständliche Warnung.