Bitterer Kaffee, kalte Küsse

Chapter 1 — Bitterer Kaffee, kalte Küsse

Das letzte Mal, als ich Gregor Neumann sah, schwor ich, ihn nie wieder anzusehen. Jetzt stehe ich hier, am Kaiserkai in Hamburg, der kalte Wind peitscht mir ins Gesicht, und beobachte, wie er aus einer schwarzen Limousine steigt, als wäre die Zeit stehen geblieben. Fünf Jahre. Fünf Jahre voller qualvoller Stille und ungesagter Worte, die wie Glasscherben in meiner Seele stecken.

Ich bin Tanja Hahn, und ich bin zurück in Hamburg, um das Café meiner Großmutter zu retten. Ein kleines, bescheidenes Café, das seit Generationen in Familienbesitz ist. Doch die Gentrifizierung nagt an St. Pauli, und die hohen Mieten drohen, uns zu verschlingen. Ich habe alles in Berlin aufgegeben, meinen Job als Innenarchitektin, meine Wohnung, alles, um diesen Ort zu retten. Ein Ort, der so viele Erinnerungen birgt, sowohl süße als auch bittersüße.

Gregor. Allein sein Name löst ein Feuerwerk der Emotionen in mir aus. Die Erinnerung an seine grünen Augen, die mich einst so innig geliebt haben, brennt wie ein Stigma auf meiner Haut. Er war mein bester Freund, meine erste Liebe, mein Seelenverwandter. Und dann, mit einem einzigen, verheerenden Verrat, mein größter Schmerz. Er hat mich vor fünf Jahren verlassen, ohne ein Wort, ohne eine Erklärung. Einfach so. Verschwunden. Und jetzt steht er hier, mächtiger und unnahbarer als je zuvor.

Er trägt einen perfekt sitzenden Anzug, die dunklen Haare leicht zerzaust vom Wind. Er sieht aus wie ein Mann, der alles hat, alles kontrolliert. Aber ich kenne die Wahrheit. Ich weiß, dass hinter dieser Fassade ein Abgrund lauert, ein dunkles Geheimnis, das er seit Jahren verbirgt. Ich habe es in seinen Augen gesehen, damals, kurz bevor er ging. Und jetzt, als sich unsere Blicke treffen, sehe ich es wieder. Ein flüchtiger Moment der Verletzlichkeit, der mich fast vergessen lässt, warum ich ihn so sehr hasse.

Er bewegt sich auf mich zu, langsam, bedächtig. Seine Augen fixieren mich, und ich spüre, wie sich eine Gänsehaut über meinen Körper ausbreitet. »Tanja«, sagt er, seine Stimme ist tiefer und rauer als in meiner Erinnerung. »Ich wusste, dass du zurückkommen würdest.« Ein Lächeln huscht über seine Lippen, ein Lächeln, das mich einst schwach werden ließ. »Hamburg ist nicht groß genug für uns beide.« Doch bevor ich antworten kann, hält ein bulliger Mann in einem dunklen Anzug ihn am Arm zurück. »Herr Neumann, wir müssen los.« Gregor wirft mir einen letzten, fast entschuldigenden Blick zu, bevor er in die Limousine steigt. Die Tür knallt, und das Auto gleitet davon. Was zum Teufel geht hier vor?