Geplatzte Hochzeit
Chapter 1 — Geplatzte Hochzeit
Der Champagner schmeckte nach Asche. Jasmin starrte auf das glitzernde Feuerwerk über der Hamburger Elbphilharmonie, doch die Farben tanzten blind vor ihren Augen. Silvester. Ein Jahr ist vergangen. Ein Jahr seit Christian ihr Leben in Scherben gelegt hat. Ein Jahr seit dem Verrat, der ihr Herz in Eis verwandelte.
Sie spürte, wie die Kälte in ihr aufstieg, bereit, alles zu verschlingen. Christian. Allein der Name war wie Gift auf ihrer Zunge. Er hatte ihr alles genommen: ihre Liebe, ihr Vertrauen, ihre Zukunft. Er hatte sie vor dem Altar stehen lassen, mit zerrissenem Herzen und einer leeren Seele. Und das alles für Geld. Für die Macht, die sein Vater ihm versprochen hatte, wenn er die Tochter des verarmten Reeders verließ und stattdessen die Erbin eines millionenschweren Konsortiums heiratete.
Ein bitteres Lächeln stahl sich auf Jasmins Lippen. Er glaubte, sie würde zerbrechen. Er glaubte, sie würde in ihrem Schmerz versinken. Aber Christian kannte sie nicht. Er kannte nicht die Stärke, die in ihr schlummerte, die Entschlossenheit, die durch seinen Verrat entfacht wurde. Er hatte eine Waffe geschaffen, die sich nun gegen ihn richten würde.
Jasmin nahm einen tiefen Atemzug der kalten Winterluft. Hamburg lag ihr zu Füßen, eine Stadt der Möglichkeiten, eine Stadt der Intrigen. Sie würde sie nutzen, jede einzelne davon. Sie würde Christian das nehmen, was er ihr genommen hatte: alles. Sein Glück, seine Karriere, seine Ehre. Sie würde ihn vor aller Augen demütigen, ihn leiden lassen, so wie sie gelitten hatte.
Sie hatte ihre Spione platziert, ihre Schachfiguren auf dem Brett arrangiert. Sie kannte seine Schwächen, seine Ängste, seine Geheimnisse. Und sie würde sie gnadenlos ausnutzen. Christian hatte einen Fehler gemacht: Er hatte sie unterschätzt. Er hatte geglaubt, sie sei nur ein naives Mädchen, das er leicht manipulieren konnte. Aber Jasmin war nicht länger das Mädchen, das er kannte. Sie war eine Rächerin, eine Schattenfrau, die im Dunkeln agierte und darauf wartete, zuzuschlagen.
Ihr Blick fiel auf eine kleine Gruppe von Menschen, die am Ufer der Elbe standen und lachten. Christian war nicht unter ihnen. Er feierte wahrscheinlich in einer seiner Luxusvillen in Blankenese, umgeben von Champagner und falschen Freunden. Aber er würde bald merken, dass sein Glück nur von kurzer Dauer war. Jasmin würde dafür sorgen.
Sie drehte sich um und ging zurück in das noble Hotel, in dem sie sich einquartiert hatte. Die Suite war luxuriös, aber sie bedeutete ihr nichts. Es war nur ein weiterer Schachzug in ihrem perfiden Spiel. Sie würde das Geld, das sie von ihrem Vater geerbt hatte, nutzen, um Christian zu zerstören. Es war das Mindeste, was sie ihm schuldig war.
Im Zimmer angekommen, öffnete sie ihren Laptop und loggte sich in ein verschlüsseltes Netzwerk ein. Sie hatte Hacker angeheuert, die ihr halfen, in Christian' Leben einzudringen. Sie wusste, dass er sensible Informationen auf seinem Computer speicherte, Informationen, die ihn ruinieren konnten. Sie brauchte nur den richtigen Moment, um sie zu veröffentlichen.
Auf dem Bildschirm erschien ein Chatfenster. Es war Yannik, einer ihrer engsten Vertrauten. Er war ein Experte für Wirtschaftsspionage und hatte ihr schon oft geholfen. »Ich habe etwas Interessantes gefunden«, tippte er. »Christian' Firma steht kurz vor dem Bankrott. Er hat sich mit riskanten Spekulationen übernommen.«
Jasmins Herz machte einen Sprung. Das war ihre Chance. Sie hatte nicht erwartet, dass es so schnell gehen würde. »Zeig mir alles«, antwortete sie. »Ich will jedes Detail wissen.«
Yannik schickte ihr eine Datei. Jasmin öffnete sie und begann, die Informationen zu analysieren. Christian hatte sich in ein gefährliches Spiel verwickelt, und sie würde ihn dafür bezahlen lassen. Sie würde ihn nicht nur finanziell ruinieren, sondern auch gesellschaftlich. Sie würde seinen Namen in den Schmutz ziehen, ihn zu einem Ausgestoßenen machen.
Plötzlich klingelte ihr Handy. Eine unbekannte Nummer. Zögernd nahm sie ab. »Stein«, meldete sie sich.
Am anderen Ende der Leitung war eine tiefe, raue Stimme zu hören. »Fräulein Stein, wir haben Ihren kleinen Ausflug in die Welt der Wirtschaftsspionage bemerkt. Lassen Sie Christian Brenner in Ruhe, oder Sie werden es bereuen.«
Jasmin spürte einen Schauer über ihren Rücken laufen. Sie hatte ihre Rache sorgfältig geplant, aber sie hatte nicht mit den Konsequenzen gerechnet. War sie zu weit gegangen? Hatte sie sich mit den Falschen angelegt? Sie wusste nur eines: Sie würde sich nicht einschüchtern lassen. »Wer sind Sie?«, fragte sie mit zitternder Stimme.
Die Stimme am anderen Ende lachte. »Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass Sie aufhören, sich in Dinge einzumischen, die Sie nichts angehen. Sonst wird es unschön für Sie.« Die Verbindung wurde unterbrochen.