Abkommen im Kristallsaal

Chapter 1 — Abkommen im Kristallsaal

Der Champagner prickelte auf meiner Zunge, doch der bittere Nachgeschmack der Wahrheit ließ sich nicht so leicht herunterspülen. Hannes von Schwarzburg, der Mann, der mit einem einzigen Federstrich das Schicksal meiner Familie besiegeln konnte, stand keine fünf Meter entfernt. Seine Augen, so dunkel wie die tiefste Nacht im Schwarzwald, fixierten mich.

Ich, Dana Lorenz, Kellnerin wider Willen auf der glamourösesten Wohltätigkeitsgala Münchens, sollte eigentlich Tablett balancieren und diskret im Hintergrund verschwinden. Doch stattdessen fühlte ich mich wie ein Reh im Scheinwerferlicht, gefangen im Netz seiner unerbittlichen Aufmerksamkeit. Dieser Kristallsaal, prunkvoll geschmückt mit goldenen Ornamenten und üppigen Blumengestecken, war die Bühne für ein perfides Spiel, dessen Regeln ich nicht kannte. Ein Spiel, in dem mein Vater eine immense Summe verspielt hatte – an Hannes von Schwarzburg.

Die Musik schwoll an, ein Walzer, der die Paare auf die Tanzfläche trieb. Ich versuchte, mich unsichtbar zu machen, doch es war zwecklos. Hannes bewegte sich mit einer unaufhaltsamen Eleganz auf mich zu, seine dunkle Silhouette hob sich von dem gleißenden Licht der Kronleuchter ab. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug, wie sich eine unheilvolle Vorahnung in meiner Magengrube ausbreitete. Er trug einen maßgeschneiderten Smoking, der seine breiten Schultern betonte, und ein Lächeln, das mehr Drohung als Einladung war, spielte um seine Lippen.

„Fräulein Lorenz, nicht wahr?“, seine Stimme war tief und rau, wie der Klang eines alten Cellos. Ich nickte stumm, unfähig, ein Wort herauszubringen. „Ich habe gehört, Ihr Vater hat… Schwierigkeiten.“ Er machte eine theatralische Pause, seine Augen musterten mich von Kopf bis Fuß. „Vielleicht…können wir eine Lösung finden. Eine, die uns beiden zugutekommt.“

Er beugte sich näher zu mir herunter, sein warmer Atem streifte mein Ohr. „Ich habe da eine Idee…“, flüsterte er, und dann nannte er einen Preis, der meine schlimmsten Befürchtungen übertraf. Einen Preis, der mein Leben für immer verändern würde. Und dann fügte er hinzu: „Oder vielleicht…gibt es eine andere Art, die Schulden zu begleichen. Eine, die…angenehmer wäre.“ Sein Blick verweilte auf meinen Lippen. Dann zog er eine Visitenkarte hervor, die mit erhabener Schrift seinen Namen trug, und drückte sie mir in die Hand. „Ich erwarte Ihren Anruf, Fräulein Lorenz. Bald.“ Er drehte sich um und verschwand in der Menge, ließ mich allein mit der eisigen Kälte seiner Worte und der glühenden Hitze seiner Berührung zurück. Was sollte ich tun? Was konnte ich tun?