Schulden, Schein und Leidenschaft
Chapter 1 — Schulden, Schein und Leidenschaft
Der Champagner prickelte bitter auf meiner Zunge, ein passender Kontrast zu dem süßlichen Lächeln, das ich Leopold von Kronberg entgegenwarf. Er, der Inbegriff des Münchner Schickeria-Lebens, stand vor mir, ein Angebot in den Augen, das so verlockend wie gefährlich war.
»Laura, mein Schatz,« säuselte er, die Hand auf meinem Rücken, so als wären wir das verliebtes Paar schlechthin. »Du weißt doch, wie sehr meine Großmutter darauf brennt, mich endlich unter der Haube zu sehen. Und du… du bist einfach perfekt.«
Perfekt? Ich, Laura Kessler, die chaotische Kunststudentin aus Berlin, die ihre Miete kaum bezahlen konnte, sollte die perfekte Vorzeigefreundin für den Spross einer der reichsten Familien Deutschlands sein? Lächerlich. Aber Max' Angebot war zu gut, um es auszuschlagen. Zehntausend Euro für einen Monat Schauspielerei. Genug, um meine Schulden zu begleichen und vielleicht sogar noch einen Neuanfang zu wagen.
München schien mir immer eine Parallelwelt gewesen zu sein. Glitzernde Fassaden, teure Autos, und Menschen, die aussahen, als wären sie einem Hochglanzmagazin entsprungen. Ich, mit meinen zerrissenen Jeans und dem Hang zu Späti-Bier, passte hier so gar nicht hinein. Aber ich brauchte das Geld. Verdammt, ich brauchte es wirklich.
»Was genau erwartest du von mir, Max?« fragte ich, die Stimme so ruhig, wie ich es in diesem Moment nur konnte. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. War ich wirklich bereit, mich auf dieses Spiel einzulassen? Würde ich es schaffen, die Rolle der perfekten Freundin zu spielen, ohne mich selbst dabei zu verlieren?
Er grinste, ein Wolf im Schafspelz. »Sei einfach du selbst, Laura. Aber eben die Version von dir selbst, die meine Großmutter lieben würde. Und… spiel ein bisschen verliebt. Kleine Küsse hier und da, Händchenhalten, das Übliche eben.«
Das Übliche? Für mich war das alles andere als üblich. Meine Beziehungen waren bisher eher von der Sorte »unkompliziert« gewesen. One-Night-Stands, lockere Affären, aber nie etwas Ernstes. Die Vorstellung, Max' Großmutter, einer Matriarchin von altem Schrot und Korn, vorzuspielen, ich sei in ihren Enkel verliebt, jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken.
»Und wenn deine Familie merkt, dass alles nur gespielt ist?«
»Keine Sorge, Liebes. Ich habe alles im Griff. Meine Familie ist zwar reich, aber auch unglaublich naiv, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Sie wollen nur, dass ich glücklich bin. Und wenn sie glauben, du machst mich glücklich, werden sie dich mit offenen Armen empfangen.«
Ich nickte, obwohl ich ihm kein Wort glaubte. Die von Kronbergs waren bekannt für ihre Intrigen und Machtspiele. Aber das war nicht mein Problem. Ich brauchte das Geld. Punkt.
»Gut«, sagte ich, das Glas Champagner in einem Zug leerend. »Dann lass uns dieses Spiel spielen, Leopold. Aber sei gewarnt: Ich bin eine verdammt gute Schauspielerin.«
Sein Grinsen wurde breiter, gefährlicher. »Das hoffe ich doch, Laura. Denn in meiner Welt gibt es nur Gewinner und Verlierer. Und ich habe nicht vor, zu verlieren.«
Am nächsten Morgen wachte ich in Max' Penthouse auf, mit einem Schädel, der sich anfühlte, als hätte jemand darin Fußball gespielt. Die Aussicht über München war atemberaubend, aber der Gedanke an das, was vor mir lag, ließ mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Ich war in einem goldenen Käfig gefangen, und Max hielt den Schlüssel.
Als ich die Küche betrat, saß Max bereits am Tisch, in einen Morgenmantel gehüllt und in die Wirtschaftszeitung vertieft. Er sah auf und lächelte. »Guten Morgen, mein Schatz. Gut geschlafen?«
Ich nickte, obwohl die Nacht alles andere als erholsam gewesen war. Ich hatte mich hin und her gewälzt, die ganze Zeit über die Konsequenzen meines Handelns nachgedacht. War ich wirklich bereit, meine Integrität für Geld zu verkaufen?
»Meine Großmutter erwartet uns heute zum Mittagessen«, sagte Max, ohne aufzublicken. »Sei pünktlich. Und vergiss nicht, zu lächeln.«
Ich nickte erneut, unfähig, etwas zu sagen. Ich fühlte mich wie ein Marionette, dessen Fäden von einem skrupellosen Puppenspieler gezogen wurden. Ich hatte mich auf ein Spiel eingelassen, dessen Regeln ich nicht kannte. Und ich hatte das Gefühl, dass ich bereits verloren hatte.
Am Nachmittag, auf dem Weg zum von Kronberg Anwesen, klingelte mein Handy. Eine unbekannte Nummer. Ich zögerte, nahm aber dann doch ab.
»Laura Kessler?«, fragte eine raue Stimme am anderen Ende der Leitung. »Wir wissen, was du vorhast. Lass die Finger von Leopold von Kronberg. Sonst wirst du es bereuen.«
Die Verbindung wurde unterbrochen. Ich starrte auf mein Handy, das Herz raste wie wild. Wer war das? Und wie wussten sie von meinem Deal mit Max?