Gnadenlos

Chapter 1 — Gnadenlos

Das Martiniglas zitterte in meiner Hand, der Champagner schwappte über den Rand und benetzte meine Haut mit kalten Tropfen. Es war wie ein Omen, eine Vorahnung dessen, was kommen würde. Draußen funkelte die Skyline von München, ein Meer aus Lichtern, das mir doch nur meine eigene Isolation vor Augen führte. Ich, Emilia Schreiber, gefangen im goldenen Käfig der Münchner Schickeria.

Mein Vater, Rainer Schreiber, hatte mich heute Abend hierher beordert, in die Penthouse-Wohnung des Mannes, der mein Leben für immer verändern sollte. Benjamin Krause. Sein Name war ein Flüstern in den Kreisen der Reichen und Mächtigen, ein Versprechen von Macht und Einfluss – und ein Hauch von Gefahr, der mir eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Er war der Inbegriff des dunklen, geheimnisvollen Milliardärs, der in den Schatten agierte.

Die Tür öffnete sich, und mein Herz setzte für einen Moment aus. Da stand er, Benjamin Krause. Groß, dunkelhaarig, mit Augen, die so tiefschwarz waren, dass sie jede Hoffnung zu verschlingen schienen. Er trug einen perfekt sitzenden Anzug, der seine breiten Schultern betonte. Ein Raubtier im Maßanzug. Seine Aura war so intensiv, dass sie den Raum zu füllen schien. Er lächelte nicht. Seine Lippen waren schmal, fast schonungslos. „Fräulein Schreiber“, sagte er mit einer tiefen, rauen Stimme, die direkt in meinem Innersten widerhallte. „Ich freue mich, Sie endlich kennenzulernen.“

Ich nickte, unfähig, ein Wort herauszubringen. Seine Augen fixierten mich, musterten mich von Kopf bis Fuß. Es war keine freundliche Begutachtung, sondern eine kalte, berechnende Analyse. Ich fühlte mich wie ein Schmetterling unter einer Glasglocke, gefangen und unweigerlich dazu bestimmt, von ihm seziert zu werden.

„Bitte, nehmen Sie Platz“, sagte er und deutete auf einen Sessel. Ich gehorchte, wie hypnotisiert. Die Luft knisterte vor unausgesprochenen Drohungen und verborgenen Absichten. Mein Vater hatte mir nicht gesagt, warum ich hier sein sollte. Aber ich ahnte es. Es ging um Schulden. Seine Schulden. Und ich war die Bezahlung. Plötzlich unterbrach Benjamin die Stille. „Ich habe da einen Vorschlag, Emilia.“ Er lehnte sich vor, seine dunklen Augen fixierten mich. „Einen Vorschlag, der dein Leben für immer verändern wird.“