Explosive Wahrheit
Chapter 1 — Explosive Wahrheit
Das Blut klebte an meinen Händen, ein dunkles, klebriges Mahnmal. Nicht mein eigenes, natürlich. Es gehörte Konstantin Volkov, dem Mann, der mir alles genommen hatte – oder es zumindest versucht hatte. Ein zynisches Lächeln stahl sich auf meine Lippen, während ich die Überreste seines teuren Anzugs betrachtete. Rache war süß, aber die bitterste Pille war noch zu schlucken.
Ich bin Helena Graf, und in den Schatten Berlins ist mein Name mehr als nur ein Echo. Er ist ein Versprechen. Ein Versprechen für jene, die Gerechtigkeit suchen, für jene, die von den Mächtigen verraten wurden. Und Konstantin Volkov? Er war nur der Anfang.
Die Luft in der verlassenen Lagerhalle war kalt, der Geruch von Moder und Verzweiflung hing schwer in der Luft. Es war ein Ort, an dem Träume starben und Geheimnisse geboren wurden – ein Spiegelbild meiner eigenen Seele. Ich wischte mir eine Strähne meines dunklen Haares aus dem Gesicht und musterte mein Werk. Konstantin lag gefesselt an einen alten Stahlträger gelehnt, sein Gesicht eine groteske Maske aus Blutergüssen und Angst. Er war ein Schatten seiner selbst, des Mannes, der einst die Berliner Unterwelt kontrollierte.
»Helena…«, krächzte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. »Du… du bist verrückt.«
Ich lachte, ein harter, unbarmherziger Klang, der in der Stille der Halle widerhallte. »Verrückt? Vielleicht. Aber ich bin auch gerecht. Du hast meine Familie zerstört, Konstantin. Du hast meinen Vater getötet. Jetzt bist du an der Reihe, den Preis zu zahlen.«
Er versuchte, sich zu winden, doch die Stahlfesseln hielten ihn fest. Seine Augen flehten, aber ich sah darin keine Reue, nur die nackte Angst vor dem Tod. Es war nicht genug. Es würde niemals genug sein, um den Schmerz zu lindern, der in meiner Brust brannte, aber es war ein Anfang.
»Du denkst, du kannst das tun?«, keuchte er. »Du bist nur eine Frau. Du wirst scheitern.«
Ich beugte mich vor, mein Gesicht nur wenige Zentimeter von seinem entfernt. »Ich bin mehr als nur eine Frau, Konstantin. Ich bin die Nacht, die dich verschlingen wird. Und ich werde nicht scheitern.«
Mein Vater war ein angesehener Anwalt gewesen, der sich auf Wirtschaftskriminalität spezialisiert hatte. Er war ein Mann von Prinzipien, der immer für das Richtige kämpfte, selbst wenn es gefährlich war. Und genau das wurde ihm zum Verhängnis. Er hatte Beweise gegen Konstantin Volkov gesammelt, Beweise, die Volkovs kriminelles Imperium zu Fall bringen konnten. Doch Volkov war schneller gewesen. Ein fingierter Autounfall, ein paar korrupte Polizisten – und mein Vater war tot.
Die Polizei hatte den Fall schnell zu den Akten gelegt, als tragischen Unfall abgetan. Aber ich wusste es besser. Ich wusste, dass Volkov dahinter steckte. Und ich schwor, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, koste es, was es wolle.
Ich verbrachte Jahre damit, im Schatten zu leben, meine Fähigkeiten zu schärfen, mein Netzwerk aufzubauen. Ich lernte, wie man sich unbemerkt bewegt, wie man Informationen beschafft, wie man Menschen manipuliert. Ich wurde zu einem Geist, einem Schatten, einer Legende. Und ich wartete auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen.
Und jetzt war er da. Konstantin Volkov war in meiner Gewalt, ausgeliefert meiner Rache. Aber es war nicht so befriedigend, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Schmerz in meiner Brust war immer noch da, nagend und unerbittlich. Ich brauchte mehr. Ich brauchte, dass er litt, so wie ich gelitten hatte.
»Was willst du?«, fragte er flehend. »Geld? Ich kann dir alles geben.«
Ich lachte erneut, ein kalter, lebloser Klang. »Geld? Dein Geld ist wertlos. Ich will dein Leben. Aber nicht so einfach. Ich will, dass du alles verlierst, was dir lieb und teuer ist. Ich will, dass du spürst, was es bedeutet, alles zu verlieren.«
Ich holte mein Handy heraus und wählte eine Nummer. »Es ist erledigt«, sagte ich, meine Stimme kalt und emotionslos. »Bringt sie her.«
Einige Minuten später hörte ich das Geräusch eines Autos, das vor der Lagerhalle hielt. Zwei Männer in dunklen Anzügen zerrten eine junge Frau aus dem Wagen. Sie war gefesselt und geknebelt, ihre Augen voller Panik. Ich erkannte sie sofort: Alina, Konstantins Tochter.
Er starrte sie an, seine Augen voller Entsetzen. »Nein!«, schrie er. »Bitte, tu ihr nichts!«
Ich lächelte, ein grausames, siegreiches Lächeln. »Das ist der Preis der Rache, Konstantin. Du hast meine Familie zerstört. Jetzt werde ich deine zerstören.«
Ich deutete auf Alina. »Bringt sie in den anderen Raum. Bereitet sie vor.«
Die Männer gehorchten sofort und zerrten Alina in einen Nebenraum. Ihr markerschütternder Schrei hallte durch die Lagerhalle. Konstantin weinte, flehte, bettelte. Aber ich hörte nicht zu. Ich war zu weit gegangen, um jetzt noch umzukehren.
Plötzlich, ein Knall. Eine Explosion erschütterte die Lagerhalle. Splitter flogen durch die Luft, und ein ohrenbetäubender Lärm erfüllte den Raum. Ich wurde zu Boden geschleudert, mein Kopf schlug hart auf dem Beton auf. Benommen rappelte ich mich auf und sah mich um. Die halbe Lagerhalle stand in Flammen.
Chaos brach aus. Die Männer in den Anzügen waren verschwunden, und Konstantin lag immer noch gefesselt an dem Stahlträger, sein Gesicht voller Panik. Aber Alina… Alina war nirgends zu sehen.
Eine Gestalt tauchte aus dem Schatten auf, ein Mann in einer dunklen Lederjacke, das Gesicht im Halbschatten verborgen. Er hielt eine Waffe in der Hand, gerichtet auf Konstantin. Und dann erkannte ich ihn.
Felix. Felix von Treuberg. Mein Erzfeind. Konstantins rechte Hand. Und der Mann, den ich zu hassen gelernt hatte, mehr als jeden anderen auf dieser Welt. Aber warum war er hier? Und warum hatte er die Lagerhalle in die Luft gesprengt?
»Was zum Teufel tust du hier?«, schrie ich, meine Stimme überschlug sich fast vor Wut.
Er ignorierte mich und richtete seine Waffe auf Konstantin. »Es tut mir leid, Konstantin«, sagte er, seine Stimme kalt und emotionslos. »Aber es ist vorbei.«
Und dann drückte er ab.