Dein wahrer Name
Chapter 1 — Dein wahrer Name
Der Champagner prickelte taub auf meiner Zunge, ein schwacher Kontrast zu dem eisigen Griff, der mein Herz umklammerte. Draußen funkelte die Skyline von Frankfurt, doch ich sah nur die verzerrten Gesichter der High Society, die in ihren sündhaft teuren Kleidern durch den Ballsaal schwebten. Sie sahen mich nicht, die wahre Emilia Schreiber, das Mädchen vom Stadtrand, das sich unter einer Maske aus Seide und Lügen versteckte. Sie sahen nur die Erbin eines Milliarden-Imperiums, die perfekte Schachfigur in einem Spiel, das ich nicht spielen wollte.
Ich hasste diese Bälle. Ich hasste die aufgesetzten Lächeln, die hohlen Komplimente, die kalkulierten Blicke, die versuchten, unter meine Fassade zu blicken. Aber ich brauchte sie. Jeder dieser Abende war eine weitere Bestätigung meiner Tarnung, ein weiterer Nagel in dem Sarg meiner alten Identität. Emilia Schreiber war tot, begraben unter Bergen von Designerklamotten und dem Gewicht der Verantwortung, die man mir aufgebürdet hatte. Jetzt war ich jemand anderes. Jemand Mächtiges. Jemand Gefährliches.
Mein Blick fiel auf eine Gestalt am Rande der Tanzfläche. Ein Mann, der sich nicht bemühte, in das Bild zu passen. Dunkles Haar, ein Gesicht, das von zu vielen Geheimnissen gezeichnet war, und Augen, die mich fixierten, als könnte er direkt in meine Seele sehen. Dominik Engel. Sein Name war in den Flüsterton der Gesellschaft ein geflügeltes Wort – ein Schattenmann, ein Strippenzieher, ein Mann, der Geschäfte machte, von denen andere nur träumten. Er war mein grösstes Risiko und meine einzige Hoffnung. Denn Dominik wusste, wer ich wirklich war.
Er löste sich von der Wand und bewegte sich auf mich zu. Jeder seiner Schritte war eine Drohung, ein Versprechen. Ich spürte, wie sich mein Herz schneller schlug, wie sich eine Mischung aus Angst und Erwartung in meiner Brust ausbreitete. Er war zu nah, seine Aura umhüllte mich wie ein dunkler Mantel. „Emilia“, hauchte er, sein Blick wanderte über mein Gesicht, als würde er jede meiner Lügen sezieren. „Oder sollte ich sagen… Isabel Winter?“
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Meine Tarnung war aufgeflogen. Hier, inmitten der Frankfurter High Society, stand ich vor dem Mann, der meine Welt zum Einsturz bringen konnte. Und ich spürte, dass dies erst der Anfang war.