Der Oktoberfest-Deal

Chapter 1 — Der Oktoberfest-Deal

Der Geruch von gebrannten Mandeln hing in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Duft von Bier und der Aufregung des Oktoberfests. Sabrina hasste es. Nicht das Oktoberfest an sich – eigentlich liebte sie die bayerische Tradition. Aber in diesem Jahr war alles anders. Dieses Jahr stand ihre Existenz auf dem Spiel, verpackt in einem Dirndl und einem aufgesetzten Lächeln.

Ihr Blick huschte nervös über die feiernde Menge. Überall Dirndl, Lederhosen, lachende Gesichter. Nur sie fühlte sich wie eine Hochstaplerin. In einer Stunde würde ihr Onkel, der Patriarch der Friedrich Brauerei, sie offiziell seinem wichtigsten Geschäftspartner vorstellen. Und dieser erwartete, dass Sabrina an der Seite ihres Verlobten stand – ein Verlobter, der nicht existierte.

Vor drei Monaten hatte ihr Onkel, ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung, ihre Verlobung mit einem gewissen Markus angekündigt, dem Spross einer anderen traditionsreichen Brauerfamilie. Ein strategischer Schachzug, um die beiden Familienunternehmen zu vereinen und die Friedrich Brauerei vor dem finanziellen Ruin zu retten. Sabrina hatte protestiert, geweint, gefleht. Aber ihr Onkel war unerbittlich. Entweder sie spielte mit, oder er würde die Brauerei verkaufen – das Lebenswerk ihres Vaters, ihr Erbe.

Also hatte sie sich widerwillig darauf eingelassen, zumindest bis zum heutigen Tag. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie Markus tatsächlich treffen und die Verlobung offiziell verkünden sollte. Doch Markus hatte vor einer Woche überraschend abgesagt. Ein dringender Geschäftstermin in China, hieß es. Sabrina wusste es besser. Markus hatte kalte Füße bekommen. Und sie stand nun da, am Rande des Abgrunds, mit einer Lüge, die kurz davorstand, ihr ganzes Leben zu zerstören.

»Sabrina?«, hörte sie eine tiefe Stimme hinter sich. Sie wirbelte herum und blickte in das amüsierte Gesicht von Malte Bach. Malte. Ihr bester Freund seit Kindertagen. Der Mann, der sie besser kannte als jeder andere. Und der Mann, der absolut ungeeignet war, ihren Verlobten zu spielen. Malte war alles andere als der perfekte Schwiegersohn. Er war ein Freigeist, ein Künstler, ein Rebell. Aber in diesem Moment war er ihre einzige Hoffnung.

»Malte! Was machst du denn hier?«, fragte sie, bemüht, ihre Panik zu verbergen.

Er grinste. »Ich könnte dich das Gleiche fragen. Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.« Er beugte sich vor und flüsterte: »Brauchst du vielleicht einen Retter in der Not?«

Sabrina atmete tief durch. »Vielleicht… vielleicht brauche ich genau das.« Sie erklärte ihm die Situation, die drohende Katastrophe, die Konsequenzen für ihre Familie. Malte hörte aufmerksam zu, sein Blick wurde immer ernster.

»Und du willst, dass ich… deinen Verlobten spiele?«, fragte er, als sie geendet hatte. Seine Augen funkelten belustigt.

»Ich weiß, es ist verrückt. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit. Nur für heute Abend. Nur, um meinen Onkel zu überzeugen. Bitte, Malte. Du bist meine einzige Chance.«

Malte schwieg einen Moment, dann grinste er breit. »Na gut. Aber unter einer Bedingung.«

»Jeder Bedingung!«, sagte Sabrina erleichtert.

»Wenn ich schon deinen Verlobten spiele, dann richtig. Mit allem, was dazugehört.« Er kam näher, legte seine Hand an ihre Wange und sah ihr tief in die Augen. »Inklusive eines überzeugenden Kusses.«

Bevor Sabrina antworten konnte, zog Malte sie an sich und küsste sie. Nicht den sanften, freundschaftlichen Kuss, den sie erwartet hatte. Sondern einen leidenschaftlichen, intensiven Kuss, der ihr den Atem raubte und die Welt um sie herum vergessen ließ. Als sie sich lösten, war Sabrinas Herzklopfen ohrenbetäubend. Und dann sah sie den entsetzten Blick ihres Onkels, der direkt vor ihnen stand, in Begleitung eines Mannes, der Malte wie aus dem Gesicht geschnitten war – sein ZWILLINGSBRUDER, Markus.