Goldener Käfig, Schwarzes Herz

Chapter 1 — Goldener Käfig, Schwarzes Herz

Das Feuer knisterte unheilvoll im Kamin, warf tanzende Schatten an die barocken Wände. Ich hasste dieses Zimmer, diesen verdammten Käfig aus Gold und Kristall. Seit dem Tag, an dem Stefan Stein mich aus meinem Leben in Berlin gerissen hatte, war dies mein Gefängnis.

Die Kälte kroch mir trotz des Feuers die Wirbelsäule hoch. Ich presste die Lippen zusammen, um nicht den Schrei herauszulassen, der seit Wochen in meiner Kehle brannte. Stefan. Allein sein Name war wie Gift auf meiner Zunge. Er hatte meine Schulden beglichen, ja, aber zu welchem Preis? Mein Vater hatte sich bei den falschen Leuten verschuldet, und nun gehörte ich Stefan. Eine Ware, ein Pfand, gefangen in seinem luxuriösen Anwesen am Starnberger See.

Ich blickte auf meine Hände. Zarte Haut, einst geschmückt mit Nagellack und Ringen, jetzt leer und blass. Stefan hatte mir alles genommen, meine Freiheit, meine Freunde, meine Zukunft. Er hatte mir gesagt, ich solle mich an das Leben hier gewöhnen. An die Stille, die nur vom Knistern des Feuers und dem leisen Murmeln des Windes unterbrochen wurde. An die Tatsache, dass jeder meiner Schritte von seinen Augen überwacht wurde.

Die Tür öffnete sich ohne Vorwarnung. Stefan stand im Rahmen, eine dunkle Silhouette gegen das gedämpfte Licht des Flurs. Seine Augen, so tiefschwarz wie die Nacht, fixierten mich. In ihnen lag keine Wärme, nur eine kalte, berechnende Intensität, die mir eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Er trug einen dunklen Anzug, das weiße Hemd darunter makellos. Der Inbegriff von Macht und Kontrolle. Ein Milliardär, dessen Reichtum nur von seiner Grausamkeit übertroffen wurde.

„Mila“, sagte er, seine Stimme ein tiefes, gefährliches Raunen. „Ich habe dir gesagt, du sollst auf mich warten.“

Ich schwieg. Was sollte ich auch sagen? Jedes Wort, das ich sprach, könnte gegen mich verwendet werden. Er trat näher, der Geruch seines teuren Kölns umhüllte mich wie ein Netz. Er hob meine Hand und küsste sanft meine Fingerknöchel. Eine Geste der Zuneigung, die sich wie eine Drohung anfühlte.

„Du bist mein“, flüsterte er, seine Lippen berührten kaum meine Haut. „Vergiss das niemals.“

Ein Klopfen unterbrach die angespannte Stille. Stefan zog seine Hand zurück und warf einen finsteren Blick zur Tür. „Herein“, knurrte er. Ein Mann im Anzug betrat den Raum, hielt ihm eine Mappe entgegen. Stefan nahm sie entgegen, ohne mich aus den Augen zu lassen. „Geh“, sagte er zu dem Mann. Dieser nickte stumm und verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Stefan öffnete die Mappe. Seine Augen huschten über die Dokumente. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen, ein Lächeln, das mir Angst machte. „Es gibt gute Nachrichten, Mila“, sagte er. „Dein Vater hat seine Schulden beglichen.“

Ich starrte ihn an, unfähig zu sprechen. Konnte das wahr sein? War ich frei?

„Aber“, fügte er hinzu, und das Lächeln auf seinen Lippen wurde breiter, gefährlicher, „leider hat er mit seinem Leben bezahlt.“